Den Selbstmord von Chester Bennington und von Daniel Küblböck kann man nicht miteinander vergleichen. – Der eine war eine Ikone, der andere ein nichts. 

So gelesen in sozialen Netzwerken. Doch beide haben eines gemeinsam: Der Hilfeschrei wurde nicht erhört und der einzige Ausweg war der Suizid.

Mutmaßlicher Suizid eines Paradiesvogels

Wer die letzten Tage die Nachrichten verfolgt hat, hat bestimmt mitbekommen, dass Daniel Küblböck auf einem AIDA Schiff über Bord gegangen ist. Man geht von einem Selbstmord aus.

Der Paradiesvogel hatte es damals bei DSDS schon nicht leicht und man munkelt, dass er an Depressionen gelitten und mit Mobbing zu kämpfen hatte. Die Tatsache ist eigentlich schon schlimm genug. Sein Hilfeschrei wurde nicht gehört und sein einziger Ausweg dürfte nur der Selbstmord gewesen sein.

Aber dann gibt es jene Leute, vor allem in sozialen Netzwerken, die sich darüber lustig machen, die sogar sagen „Ja Gott sei Dank, keiner braucht so eine Schwuchtel…“ (Gedächtnisprotokoll).

Natürlich weiß ich, dass es solche Leute immer geben wird. Dennoch würde ich mir wünschen, dass sie vorher etwas nachdenken:

Wie würde es dir gehen, wenn ein Familienmitglied Suizid begeht?
Wie würde es dir gehen, wenn dein beste Freund unter Depressionen leidet?

Muss man nach dem Tod wirklich nachtreten nur weil man glaubt, in sozialen Netzwerken hat man Narrenfreiheit? Muss das wirklich sein?

Wie man eine Depression erkennt!

Depressionen werden heutzutage immer noch sehr leicht als schlechte Laune oder vielleicht kleine Lebenskrise angesehen und belächelt. Oft hört man auch von Familienmitgliedern „Das passiert in unserer Familie nicht“ – Depressionen können allerdings jeden treffen.

Menschen die an einer Depression leiden, sind oft antriebslos, haben kein Interesse an Aktivitäten und haben eine gedrückte Stimmung. Hinzukommt, dass sie eine innere Leere verspüren, sich selbst für die Situation, für ihre Unzufriedenheit, verantwortlich machen. Sie fühlen sich hilflos und sie leiden an Suizidgedanken.

Solltet ihr vermuten, dass ein Bekannter, Freund, ein Familienmitglied viel mehr als ein Stimmungstief hat, rate ich euch, ihn vorsichtig damit zu konfrontieren, ihn Hilfe anzubieten.

Vinkii:
Tipps für Angehörige – www.depression.at
142 Telefonseelensorge – 24 Stunden erreichbar

14 Comments

  1. Liebe Julia,

    schön, dass Du so ein heikles Thema aufgreifst und grade mit Blick auf Daniel Küblböck mit persönlichen Überlegungen begleitest. Ich persönlich glaube, dass das Thema „Depression“ kein zeitgeistiges ist sondern dass Depressionen mittlerweile weiter verbreitet sind als uns bewusst ist. Ich glaube auch, dass Betroffene – und das können nicht nur Betroffene als solches sein sondern auch Familienangehörige, Freunde oder Arbeitskollegen – auftauchende „Verdachtsmomente“ gerne unter den Teppich kehren. Wer will sich oder einem anderen schon ein Fass aufmachen ? Hinzu kommt, dass wir oft gar nicht in der Lage sind uns diesbezüglich richtig zu artikulieren. Das Thema ist für alle Betroffenen einfach zutiefst „schambesetzt“. Depressionen können viele Ursachen haben und viele Gesichter. Damit hinterm Berg zu halten, ist fast ein Reflex. Keiner will diesbezüglich auffällig werden oder anderen gar zur Last fallen. Und so wird still und heimlich viel gelitten, und natürlich auch viel gedeckelt. Wir haben verlernt in einem guten Miteinander verwoben zu leben und unsere Augen offen zu halten. Wir schauen weg, weil wir mit unserer eigenen Hilflosigkeit in Kontakt kommen könnten, mit eigenem Schmerz oder vielleicht sogar mit eigenen Tränen. Eine Depression ist die Folge großen menschlichen Schmerzes und nicht alle haben das Glück Zeit ihres Lebens damit angenommen zu werden oder Heilung zu finden. Jeder Mensch, den wir auf diese Art und Weise verlieren, kann aber zum Botschafter für andere werden, die unsere Aufmerksamkeit, unser Mitgefühl oder unsere Hilfe benötigen. In diesem Sinne hoffe ich, dass Daniel seinen Frieden gefunden hat. In diesem Sinne hoffe ich auch, dass es uns gelingt ein wenig sensibler zu werden für die Nöte anderer, und über allem nicht vergessen uns auch selbst Gutes zu tun.

    Liebe Grüße,

    Manuela

  2. Ich kann nur immer wieder staunen über die Gehässigkeit der Menschheit.
    Was man zu Daniel Kübelböcks Von Board Gang alles so liest ist wirklich unglaublich. Da geht mir, als ehemaliges Mobbingopfer, wirklich der Hut hoch.
    Man kann von ihm halten was man will, das hat allerdings absolut nichts damit zu tun, ob sich jemand das leben nimmt. Vielmehr sollten gerade solche Typen mal drüber nachdenken, ob sie mit ihrem Verhalten, andere nicht auch an eine solche Schwelle getrieben haben. Die Meisten merken es eben erst wenn es zu spät ist, und dann ist das Gejammer groß.
    Liebe Grüße,
    Tama ❤

  3. Solche Aussagen sind unglaublich traurig. Ich verstehe nicht, weshalb man manche Gedanken nicht einfach für sich behält und sie in der Öffentlichkeit preisgeben muss. Soziale Netzwerke sind in dieser Hinsicht tatsächlich ein Fluch und mit „sozial“ hat das Ganze nun wirklich nichts zu tun.

    Dass Depressionen schon lange kein Tabuthema mehr sein sollten, habe ich ja auf meinem Blog bekanntlich schon mehrmals breitgetreten und daher Danke auch an dich nochmal für deinen Appell!

    Liebe Grüße, Kay
    http://www.twistheadcats.com

  4. Ich finde es gut, dass du so ein ernstes und heikles Thema ansprichst und bin ganz deiner Meinung. Ich verstehe einfach nicht, dass man noch auf unangenehme Weise nachkommentieren muss, wenn jemand ohnehin schon am Boden ist bzw. wie im Falle Daniel Kübelböcks, vll sogar Suizid begangen hat. Und habe auch oft das Gefühl, in der Anonymität des Internets geht manchmal der Respekt anderen Menschen gegenüber etwas verloren. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum man anderen nicht einfach die Freiheit zugesteht, so zu sein, wie sie sind – ganz nach dem Motto „Leben und leben lassen“ … Ich könnte mir sogar vorstellen, dass viele gar nicht unter Depressionen leiden würden, wenn wir alle ein wenig achtsamer miteinander umgingen …

    Alles Liebe, Sarah-Allegra
    https://www.fashionequalsscience.com/

  5. meine liebe Julia, das ist ein wirklich ernst zu nehmendes Thema und mir fehlen einfach die Worte, wenn man gerade das jüngste prominente Beispiel betrachtet! Depression und Suidizid liegen leider oft beiander, aber das eine muss das andere nicht zwangsweise nach sich ziehen – daher ist es auch so wichtig, dass man erkennt um zu helfen!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  6. Ein wirklich toller Beitrag und auch ein sehr mutiger. Ich finde es toll, dass du das Thema aufgreifest, denn es ist so wahnsinnig wichtig. Ich glaube auch, dass die sozialen Netzwerke oft dazu genutz werden um einfach was blödes zu schreiben. Mach weiter so..
    Viele liebe Grüße Anja

  7. Hey meine Liebe.
    Total toll, dass du dich diesem Thema gewidmet hast und genauso ist es. Bei Facebook oder Instagram werden sich wortwörtlich die Mäuler darüber zerrissen, jeder muss seinen Senf dazu abgeben und ätzend ist das. Manche von den Menschen scheinen ohne Hirn und Empathie auf die Welt geworfen worden zu sein. Schrecklich. Mir fehlen da wirklich die Worte.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

  8. Liebe Julia, das ist eine ernstes Thema und ich finde es gut, dass es von dir angesprochen wird. Mir fehlen die Worte, wenn man bedenkt wie manche Menschen denken und sich über sowas amüsieren. Danke das du es ansprichst und deine Meinung dazu kundgibst! Lg Cindy

  9. Manchen Menschen fehlt es einfach völlig an Empathie…Finde in der Schule sollten Fächer wie Selbstliebe, Achtsamkeit und Empathie Training eingeführt werden. Der Welt fehlt es nicht an Ideen aber sehr häufig an Menschlichkeit.

    Wünsche dir einen wundervollen Abend 🙂

    Liebe Grüße,
    Lina von https://www.petitchapeau.de/

  10. Liebe Julia,

    Als Psychologin weiß ich natürlich sehr gut über Depressionen Bescheid. Die Symptome können sehr vielfältig sein … da ist es wichtig sich in Expertenhände zu begeben. Der Fall Küblböck ist besonders tragisch, weil hier mehrere Komponenten dazukommen. Hier spielt ja vor allem Mobbing eine große Rolle … und da haben die Medien auch einen großen Anteil daran.

    Liebe Grüße
    Verena

  11. Schön, dass du dieses Thema aufgegriffen hast. Ich habe eine Freundin, die auch darunter leidet.. & ich komme ja aus dem sozialen Bereich, da kriegt man es oft mit. Ich bin bei sowas ganz sensibel und merke immer ganz schnell, ob jemand krank ist oder ob es „nur“ schlechte Laune ist.

    Liebste Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  12. Depression kann wirklich jeden treffen und das schneller als man glaubt. Finde es wichtig, dass sich Menschen mit dem Thema befassen und ein bisschen sensibilisiert werden.

    Hab dir ja auf Facebook schon geschrieben wie furchtbar ich die Reaktionen auf die Daniel Küblböck Meldungen finde.

    LG

  13. Hallo Julia, ja das kann jeden treffen. Ich kenne einige in meinem Umkreis die mit Depressionen zu kämpfen haben. Ist keine schöne Sache und diese Menschen vereinsamen oft. Schließen sich zu Hause ein, die sozialen Kontakte schrumpfen. Hier sollte man sich auf alle Fälle Hilfe holen. LG, Claudia

  14. Liebe Julia,

    Du hast natürlich Recht mit der Überlegung, dass eine Depression jeden treffen kann. Nichts desto trotz gibt’s heute bereits gut gesicherte Informationen darüber, unter welchen Voraussetzungen sich eine Depressionen tatsächlich ihren Weg bahnen kann. Im Augenblick gehe ich davon aus, dass Depressionen noch viel weiter verbreitet sind als wir das auf dem Schirm haben. Rüdiger Dahlke schreibt in diesem Zusammenhang, dass auch Menschen mit Depressionen nach Aussen hin ganz unauffällig leben können.

    Sich Hilfe zu holen, ist jedoch leichter gesagt als getan. Das ist für viele Menschen, die vielleicht erste Symptome bemerken, ein ganz schwerer Schritt. Die Depression ist ja mit so vielen Missverständnissen, Vorurteilen und für Betroffene oft mit so viel Scham belegt, das nimmt so manchem noch mehr Kraft. Der Punkt konkret zu werden, sich Hilfe zu holen, liegt dann oft in weiter Ferne. Hinzu kommt, dass professionelle Begleitung in der Regel etwas kostet und die Ausstattung der Kassen diesbezüglich bescheiden ist. Darüber hinaus gibt’s Wartezeiten und schlicht und ergreifend auch enorme Qualitätsunterschiede auf der Angebotsseite. Und wie Hausärzte mit dem Thema „Depression“ umgehen, das steht noch mal auf einem völlig anderen Blatt. Summa summarum ist es leicht gesagt, dass sich jemand Hilfe holen soll. Im Einzelfall kann das ein weiter Weg sein, der noch dazu mit vielen konkreten Hindernissen gepflastert ist.

    Mit herzlichen Grüßen,

    Manuela

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